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Erläuterung der Fragen

1. Ist die Cervix (Gebärmutterhals) lang und geschlossen oder ist sie dünnwandiger bzw. erweitert?

Die Cervix misst mehrere Zentimeter, wenn sie lang und geschlossen ist. Sie möchten wissen, welcher Zahlenwert normal ist und bei welchem Zahlenwert eine Cerclage (Zunähen der Cervix, um sie zu stärken) nötig sein kann. Wenn die Eltern die Bedeutung dieses Zahlenwerts kennen, wissen sie auch, worauf sie bei jedem Termin achten sollen und wieso sie sich freuen können, wenn sich die Länge der Cervix nicht verändert. Wir stellen oft fest, dass die Cervix in vielen Fällen nicht untersucht wird. Viele Schwangerschaften hätten gerettet werden können, wenn diese Untersuchung bei jedem Termin durchgeführt worden wäre. Bei FFTS und insbesondere bei übermäßiger Fruchtwasservermehrung (Polyhydramnion) zusätzlich zu einer Mehrlingsschwangerschaft ist die Cervix besonders gefährdet, nachzugeben. Laser-Chirurgie kann nach einer Cerclage immer noch eingesetzt werden, jedoch nicht nach einer Frühgeburt und nicht nach dem Verlust der Babys, welcher von einer unbemerkt geschwächten Cervix verursacht wurde. Lang und geschlossen ist mit 4-5 Zentimetern festgelegt. Wenn 3 Zentimeter unterschritten werden, ist es an der Zeit für eine Cerclage. Hier beginnt die Cervix ‚dünnwandiger’ oder ‚trichterförmig’ zu werden oder sich ‚zu verkürzen’, und Sie möchten mit der Cerclage die Schwangerschaft erhalten.

2. Wie groß ist die Fundushöhe?

Die Fundushöhe ist eine Möglichkeit, in Zentimetern zu messen, wie viel Flüssigkeit ‚zu viel’ in der Fruchtblase des Empfängerzwillings und ‚zu wenig’ in der Fruchtblase des Spenderzwillings ist. Um das Problem mit den Flüssigkeitsmengen verstehen zu können, müssen Sie das Maß der Fundushöhe herausfinden, anstatt von ‚zu viel’ oder ‚zu wenig’ im Zusammenhang mit den Fruchtblasen zu sprechen. Die Fundushöhe bei Zwillingen ist normalerweise 2-3 Zentimeter mehr als die jeweilige Schwangerschaftswoche. Wenn Sie also in der 18. Schwangerschaftswoche eine Fundushöhe von 21 cm haben, wäre dies bei Zwillingen normal. Wenn die Fundushöhe mehr als 30 cm bei einer hinten liegenden Plazenta beträgt, ist dies ein Teilkriterium für die Laser-Chirurgie nach Dr. Julian De Lia. Bei einer vorne liegenden Plazenta kann die Fundushöhe ein wenig geringer sein. Um Ihnen den richtigen Blickwinkel zu verschaffen: wir haben Müttern in der 18. Schwangerschaftswoche geholfen, die eine Fundushöhe von 45 cm hatten. Das wäre sogar für die normale Schwangerschaftsdauer zu viel und weist auf ein ernsteres Flüssigkeitsproblem hin. Mit Hilfe dieses Zahlenwerts können Sie also besser verstehen, wann Laser-Chirurgie oder Fruchtwasserpunktionen (Amniozentesen) nötig sind.

3. Wie hoch ist die größte Flüssigkeitsmenge um jedes Baby?

Dies ist eine weitere Methode, die Flüssigkeitsmenge in den Fruchtblasen der Babys zu messen. Der Normalbereich liegt zwischen 3-8 cm. Das Ausmaß des Flüssigkeitsproblems kann festgestellt werden, indem man die Entwicklung der Zahlenwerte verfolgt und kontrolliert, wie weit sie über den Normalbereich hinausgehen. An dieser Stelle geht es also wieder darum, Sie aufzuklären, wann und warum Sie eventuell mit einer Behandlung beginnen müssen. Diese Zahlenwerte werden Ihnen richtig erscheinen und Ihnen die notwendigen Werkzeuge liefern, um informierte Entscheidungen treffen zu können. Es herrscht Uneinigkeit darüber, bei welchem Zahlenwert eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt werden sollte. Experten sind der Meinung, das Einstechen einer Nadel in die Gebärmutter sollte sorgfältig überdacht und nur mit triftigem Grund erfolgen. Es ist unsinnig, eine Fruchtwasserpunktion aus genetischen Gründen durchzuführen, die Babys sind immer gesund. Ebenso kann es unsinnig sein, eine Punktion durchzuführen, wenn 8-9 cm als größte Flüssigkeitsmenge gemessen werden. Es dürfte sinnvoller sein, zu warten, bis der Zahlenwert eher 10 oder 11 cm entspricht. Dann wissen Sie, dass man eine große Flüssigkeitsmenge ablassen wird, und es liegt in diesem Fall ein triftiger Grund vor, mit einer Nadel in die Gebärmutter einzudringen. Lesen Sie die Informationen über Ernährungstherapie. Viele Mütter ernähren sich falsch, haben wenig Eiweiß im Blut und verstärken somit das Flüssigkeitsproblem in der Fruchtblase des Empfängerbabys. Bei vielen Müttern hat sich das Flüssigkeitsproblem durch Bettruhe und das langsame Trinken von Eiweißgetränken, welche den Eiweißgehalt im eigenen Blut erhöhen, gebessert oder zumindest nicht vergrößert. Einige Mütter, bei denen bereits der Einsatz von Laser-Chirurgie angezeigt war, konnten damit sogar den Grad ihrer Symptome so weit verbessern, dass diese Prozedur schließlich nicht mehr nötig war. Mit dieser Therapie können Sie sofort beginnen – Sie wissen, dass Sie damit Ihren Babys und Ihrer eigenen Gesundheit helfen!

4. Ist der Doppler bei jedem Baby normal?

Mit dem Doppler kann untersucht werden, wie das Blut durch die Nabelschnüre der Babys fließt und wie gut ihre Herzen das Blut weiterpumpen. Diese Untersuchung erfolgt im Rahmen eines Ultraschalls. Sie können dabei die Herzen der Babys schlagen hören; dann erstarrt die Darstellung am Bildschirm. Daraufhin können Sie Spitzen oder Berge sehen, die über den Bildschirm wandern. Diese Spitzen sollten durchgehend verlaufen. Wenn Lücken zwischen jedem Berg auftreten, deutet dies auf ein Problem hin. Die Antwort darauf kann sein: ja, der Doppler ist normal, nein, das Baby hat keinen diastolischen Fluss (das Herz des Babys durchläuft keine Ruhephase während des Herzschlags) oder nein, das Baby hat einen Blutrückstrom (das Blut verlässt das Herz des Babys und fließt dann zurück ins Herz). Wenn sich das Herz zusammenzieht, spricht man von einer Systole; wenn es ruht, sich entspannt und sich füllt, spricht man von einer Diastole. Wenn die Problematik bei den Spenderbabys beginnt, verlieren sie diesen diastolischen Fluss (die Ruhephase des Herzzyklus). Das heißt, ihre Herzen pumpen ohne Unterlass. Wenn das Spenderbaby keinen diastolischen Fluss zeigt, kann Laser-Chirurgie hilfreich sein. Wir haben schon Babys behandelt, bei denen das Problem über viele Wochen hinweg bestand, und sie haben überlebt; jedoch sind diese Babys sehr müde und bedürfen aufwendiger Pflege in der Frühchenstation. Für das Baby wäre es besser, eine Behandlung zu erhalten, die darauf ausgerichtet ist, den Fluss wieder zu normalisieren. Ein Blutrückstrom ist gefährlicher und tritt hauptsächlich bei Empfängerbabys auf. Sie sollten wissen, dass die Entscheidungen hier sehr schnell getroffen werden müssen; falls möglich, ist die Laseroperation die Maßnahme unserer Wahl. Die Doppleruntersuchung kann und sollte vor der 20. Woche und bei jedem wöchentlichen Ultraschall durchgeführt werden.

5. Verdickt oder vergrößert sich das Empfängerherz?

Dies ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass eine Laseroperation notwendig sein kann. Eine Herzverdickung bereitet dem Empfängerzwilling erhöhten Stress, welcher aus dem ansteigenden Blutvolumen resultiert, das in sein oder ihr Herz-Kreislauf-System einströmt. Wie bereits oben erwähnt, können Sie und Ihre Babys enorm von der Ernährungstherapie profitieren, welche von Dr. Julian De Lia erarbeitet wurde (Zeitschriftenartikel im Abschnitt über Bettruhe). Nach Dr. De Lia wird allen Müttern empfohlen, Ensure mit Protein oder Boost 3 Mal täglich langsam zu trinken und Bettruhe einzuhalten. Wir bei der Stiftung sind überrascht von der Anzahl der Mütter, die sagen „Das bin ich!”, wenn wir ihnen erzählen, wie wir bei der Erforschung von Ernährung und FFTS herausgefunden haben, dass die meisten Mütter unterernährt sind, was sich u. a. daran zeigt, dass sie jede Menge Flüssigkeit zu sich nehmen, aber nicht viel Harn lassen. Das betrifft sowohl Mütter, die unter Schwangerschaftsübelkeit leiden, als auch solche Mütter, die während der Schwangerschaft vollkommen gesund sind. Viele Mütter, bei denen zuerst der Einsatz von Laser angezeigt war, sprachen auf Ernährungstherapie und Bettruhe an und benötigten somit überhaupt keine Behandlung mehr. Dies wird von Dr. De Lia als medizinische Behandlung angesehen; wir sind der Meinung, dass Sie damit selbst die ‚Kontrolle’ übernehmen und unmittelbar dazu beitragen können, Ihre Babys zu retten. Selbstverständlich müssen Sie auch wissen, dass die Babys eventuell mehr Hilfe als nur diese Therapie brauchen. Aber sie ist der erste Schritt, um zu sehen, wie Ihr Körper und die Babys darauf ansprechen.

6. Können Sie die Blase des Spenderbabys sehen?

Die Blase ist da, aber die Frage ist, ‚kann sie optisch dargestellt werden?’ Wenn das Baby keine ausreichende Durchblutung aufweist, kann es sein, dass es nicht genügend Urin abgibt, was dazu führt, dass man die Blase nicht sehen kann. Sie müssen während des Ultraschalls mindestens 30 Minuten danach Ausschau halten. Wenn Ihnen der Perinatologe mitteilt, dass die größte Flüssigkeitsmenge des Spenders 2 cm beträgt und Sie die Blase sehen können, ist das viel besser, als wenn nicht einmal 1 cm in der Spenderfruchtblase vorhanden wäre oder Sie die Blase nicht sehen können. Hiermit wird Ihnen geholfen, besser erkennen zu können, wie es dem Kleineren geht und wo Sie in der Diagnose des Syndroms stehen.

7. Wie schwer sind die Babys?

Wir sagen den Eltern, dass ein Größenunterschied zwischen den Babys von mehr als 20 % beunruhigend ist und dass die Ärzte dem Problem auf den Grund gehen sollten. Babys sind niemals gleich groß, aber ein Unterschied von mehr als 20 % ist ungewöhnlich; dafür muss es einen Grund geben. Die Antwort liegt darin, wie groß die Anteile an der gemeinsamen Plazenta sind. Erst nach der Geburt kann man hundertprozentig sagen, wie groß die Anteile an der gemeinsamen Plazenta sind. Ebenso wichtig ist es, die Anzahl und Fließrichtung der Verbindungen zu kennen, die das Syndrom hervorrufen. Diese kann man aber auch erst nach Durchführung einer Laseroperation während der Schwangerschaft oder durch eine Plazentaanalyse nach der Geburt erkennen (Sie können unser Protokoll benutzen). Sowohl die Anteile an der gemeinsamen Plazenta als auch die Anzahl und Fließrichtung der Verbindungen sind ausschlaggebend dafür, die Antwort darauf zu erhalten, warum das Syndrom auftritt. Um den Größenunterschied zwischen Ihren Babys zu ermitteln, bringen Sie die Gewichte der Babys in Erfahrung, subtrahieren Sie sie und teilen sie durch die größere Zahl. So ermitteln Sie den prozentualen Größenunterschied. Babys können unterschiedlich groß sein, weil eines von Anfang an einen größeren Anteil an der Plazenta hat als das andere (Plazentaanteil); oder sie teilen sich die Plazenta 50-50, aber die Verbindungen in der Plazenta verursachen den Größenunterschied (FFTS). Es kann auch eine Kombination aus beidem vorliegen. Sowohl die Aufteilung der Plazenta als auch FFTS wirken sich auf eine Schwangerschaft mit eineiigen Zwillingen aus; beides muss verstanden werden.

8. Hat der Empfängerzwilling Wassersucht (Hydrops)?

Hydrops liegt dann vor, wenn das Empfängerbaby auf dem Ultraschall deutlich erkennbar Flüssigkeit einlagert; dies ist ein Anzeichen von beginnendem Herzversagen. Wir kennen Babys mit Hydrops, die überlebt haben und gesund sind, aber nur mit einer Laseroperation. Das Problem kann nach dieser Operation sogar mit der Zeit vollkommen behoben werden. Eine Fruchtwasserpunktion kann das Problem nicht an dessen Wurzel packen oder schnell genug sein, es zu beseitigen. Es ist hilfreich zu wissen, was Hydrops ist – Sie werden bei jedem Besuch erleichtert sein, wenn Ihr Baby es nicht hat. Falls Hydrops bei einem Termin entdeckt wird, wissen Sie nun, was zu tun ist. Sie hätten diese Entscheidung bereits in Ihrem Reserveplan getroffen, den Sie sich zurechtgelegt haben oder den Sie noch entwickeln werden.

9. Wächst das kleinere Baby genauso schnell?

Es ist wichtig, dass Sie wissen, was es mit dem Teilen der Plazenta auf sich hat. Wenn ein Baby einen kleinen Anteil an der Plazenta hat, wird diesem Baby irgendwann langsam sein Anteil ‚ausgehen’. Das ist ein langsam fortschreitender Prozess: das Baby möchte an Größe zulegen, bekommt hierfür aber nicht ausreichend Blut aus seinem oder ihrem Anteil der Plazenta. Wenn das Spenderbaby aufhört zu wachsen, muss es von seiner Mutter entbunden werden. Wenn Sie versuchen, ‚mehr Zeit zu gewinnen’, wird es nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, was in unterschiedlichen Graden an Gehirnlähmung resultieren könnte. Die Kontrolle der Wachstumsgeschwindigkeit ist ein weiterer Grund für häufige Ultraschalluntersuchungen. Wenn bei Ihrem Empfängerbaby keine übermäßige Fruchtwasservermehrung (Polyhydramnion) auftritt, aber ein Größenunterschied von mehr als 20 % zwischen den Babys vorliegt, könnten sie das Syndrom in einer milderen Ausprägung haben. Der Größenunterschied rührt wahrscheinlich von der Tatsache her, dass eines der Babys von Anfang an mehr Plazenta besitzt als das andere. Vielen Müttern hat es in dieser Situation geholfen, sich in der 24. Woche für eine 24-stündige Überwachung des kleineren Spenderbabys in die Klinik zu begeben. Für gewöhnlich lassen sich die Mütter um die 28.-30. Woche entbinden, wenn klar wird, dass bei einem Baby oder bei beiden wegen des mangelnden Wachstums des Spenders Komplikationen auftreten. Ab einem gewissen Zeitpunkt sind die Babys in der Obhut einer medizinische Wunder vollbringenden Frühchenstation besser aufgehoben als im Mutterleib mit einer gemeinsamen MC-Plazenta.

 





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